Sonntag, 22. Oktober 2017

Rezension: Vielleicht sogar wir alle

Vielleicht sogar wir alle
von Marie-Aude Murail
Roman
ISBN: 978-3-596-85444-8

Worum es geht:
Der Traum von einem anderen Leben
Marie-Aude Murails neuer Roman erzählt die Geschichte einer ganz normalen Familie: Der Vater fürchtet die drohende Umstrukturierung seiner Firma, der Mutter wird der wachsende Leistungsdruck in ihrem Job zu viel, die jugendliche Tochter flüchtet sich in die Welt ihrer Manga-Helden, und der kleine Sohn ist ein Außenseiter. Sie lieben sich, aber sie finden keine Zeit, es sich zu sagen. Und doch stellen sie auf einmal fest, dass sie alle davon träumen, ein einfacheres Leben zu führen: ohne Luxus, aber auch ohne erdrückende Sorgen.


Mein Eindruck:
"Vielleicht sogar wir alle" handelt von einer Geschichte, wie sie vermutlich in der Realität tausendfach vorkommt. Es geht darum keine Zeit für die eigentlich wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Es geht um Druck durch das Umfeld und um Druck, den sich manche Menschen selbst machen. Aber trotz dieser bedrückenden Themen bleibt "Vielleicht sogar wir alle" als humorvoll und stilistisch leicht in Erinnerung. Die Autorin Murail hat mit diesem Roman keine schwere Kost geschrieben, sondern macht viel eher Lust darauf sich selbst einmal zu hinterfragen. Was ist mir wirklich wichtig? Bin ich da schon angekommen? Und vor allem: was kann ich von dieser herrlichen Romanfamilie lernen?

Mein Fazit:
"Vielleicht sogar wir alle" sollte von jedem gelesen werden, der Lust hat von einer Romanfamilie zu lernen, was wirklich wichtig ist und sich selbst dabei ein bisschen besser kennen zu lernen.


Sonntag, 8. Oktober 2017

Rezension: Mit Träumen im Herzen

Mit Träumen im Herzen*
von Guiseppe Catozzella
Roman (nach einer wahren Geschichte)
ISBN:  978-3-328-10059-1

Worum es geht:
Sie kam als Letzte ins Ziel, doch ihr Foto ging um die Welt. Millionen waren bei den Olympischen Spielen 2008 von der somalischen Läuferin Samia und ihrem eisernen Willen gerührt. Doch nur wenige wissen, dass die junge Frau danach in ihrer Heimat keine Unterstützung mehr erhielt und sich auf die lange illegale Reise nach Europa machte. Ihre Odyssee fand 2012 vor Lampedusa ein tragisches Ende.
Der italienische Journalist Giuseppe Catozzella hat Samias Geschichte recherchiert und mit ihrer Schwester gesprochen. In einer einfachen und emotional berührenden Sprache lässt er Samias Welt entstehen und gibt der verschollenen jungen Frau eine Stimme.

Mein Eindruck:
Mit dem Buch "Mit Träumen im Herzen" ist dem Autor eindrucksvoll gelungen, eine Geschichte von Flucht zu erzählen. Der Leser wird an die Hand genommen, um die Lebensumstände in Somalia kennen zu lernen und die Beweggründe für eine lebensgefährliche Flucht verstehen zu können. Dabei schont der Autor Guiseppe Catozella nicht. Er umschreibt das, was tausende Menschen Tag für Tag erleben. Ausbeutung, Gewalt, Hunger und Durst waren in Samias Leben nicht erst bei der Flucht vorherrschende Themen. Durch diverse Gewalttaten wird ihre Familie während ihrer Kindheit auseinander gerissen. Trost findet sie nur im Laufen.
So traurig und erschreckend dieses Buch sein mag - trotzdem vermittelt es, wie wichtig es ist Träume zu haben. Und aus Träumen werden Ziele.

Mein Fazit:
Dieses Buch sollte jeder lesen, der mehr über die Schicksale hinter der "Flüchtlingskrise" erfahren möchte. Und trotzdem erfahren will, was es heißt für seine Träume unter schwersten (politischen) Bedingungen zu kämpfen.

*Das Buch wurde mir freundlicher Weise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Rezension: Böse Leute

Böse Leute
von Dora Heldt
Roman
ISBN: 978-3-423-21677-7

Worum es geht:
Sylt wird von einer mysteriösen Einbruchserie erschüttert: Nicht die millionenschweren Luxusvillen werden überfallen, sondern die Häuser älterer, alleinstehender Frauen. Die Polizei ist ratlos. Ex-Hauptkommissar Karl Sönnigsen will den ehemaligen Kollegen unter die Arme greifen – und zwar auf seine ganz eigene Art: Mit Freund Onno, Strohwitwe Charlotte und seiner langjährigen Bekannten Inge stellt Karl ein mit allen Wassern gewaschenes Ermittlerteam auf die Beine.

Mein Eindruck:
Da dies mein allererstes Buch von der Autorin Dora Heldt war, kann ich an dieser Stelle keinen Vergleich zu ihren anderen Büchern, wie etwa "Tante Inge haut ab" anstellen. "Böse Leute" ist jedoch das erste Buch von Dora Heldt, das als Kriminalroman gehandelt wird.
Zu Beginn des Buches werden die Figuren erklärt und mit vielen Details dem Leser umschrieben. Jede der Figuren hat einen sehr eigenen Charakter und beim Lesen hatte jede Figur eine eigene Stimme im Kopf. Jeder Charakter wurde lebendig und bereitete Freude ihn zu begleiten.
Richtig spannend wird "Böse Leute" jedoch erst zur Mitte hin, obwohl der Täter und einige Ereignisse etwas vorhersehbar sind. Trotzdem macht es einfach Spaß die "Eierlikör-Truppe" und die weiteren Figuren zu begleiten.
Die Nebenschauplätze (zB eine Liebelei, Freundschaft...) sind ebenfalls sehr amüsant und haben mich gut unterhalten. Jedes Ereignis konnte ich nachvollziehen.
Der Sprachstil ist eher einfach gehalten und sorgt daher für kurzweilige Unterhaltung. Würde ich dieses Buch als Fernsehprogramm einordnen, wäre es ein typisches "Abendvorprogramm".

Montag, 11. September 2017

Leseflaute - oder wie kommt der Spaß an Büchern wieder?

Wenn die Lust am Lesen plötzlich vergeht...

Kein Buch vor der Nase zu haben und Freunden und Bekannten von meinen Büchern vorzuschwärmen ist für mich eine echte Herausforderung. Normalerweise. Doch auf einmal war alles anders. Die Lust fehlte, der Lebensfokus war einfach komplett auf unser neues Familienleben geschwenkt. Das ist einerseits total gut und richtig, trotzdem habe ich das Lesen irgendwie vermisst. Schließlich wusste ich doch, dass in meinem Regal noch zig Abenteuer darauf warten endlich gelesen zu werden. Doch keins der Bücher sprach mich an und schon nach wenigen Zeilen im aktuellen Buch verlor ich die Konzentration und schlichtweg die Lust. Dabei hatte mich das Buch kurze Zeit zuvor noch zu Tränen gerührt! Mir wurde klar: dies ist eine ausgewachsene Leseflaute. Herrje.

Also machte ich mich auf die Suche, was denn andere Menschen gegen ihre Leseflaute so tun. Und einige der völlig unterschiedlichen Ideen haben mir so gut gefallen, dass ich sie gerne mit euch teilen möchte!

10 Tipps gegen eine Leseflaute

  1. Ganz bewusst mal gar nichts lesen - für einen begrenzten und vorher festgelegten Zeitraum!
  2. Ein Lesedate mit sich selbst vereinbaren und dafür ganz allein in ein gemütliches Café gehen.
  3. Mit dem Zug einfach irgendwohin fahren und ein Buch dabei haben.
  4. Sich "zwingen" jeden Abend eine halbe Stunde zu lesen, so werden auch langweilige Passagen vergehen.
  5. Einfach mal das Buch und das Genre wechseln!
  6. Einfach mal "offline" sein!
  7. Leseziele setzen - wenn ein langweiliges oder anspruchsvolles  Buch "quält" mit purer Unterhaltungsliteratur "belohnen"!
  8. Ein Buch mit Kurzgeschichten lesen.
  9. Videos von booktubern gucken.

Und was hat meine persönliche Leseflaute beendet?

Ehrlich gesagt war es keiner der oben genannten Tipps - es war ein ganz anderes Ereignis: wir sind mal wieder für die Oma meines Mannes in die Bücherei der größeren Stadt gefahren, um sie mit Büchern zu versorgen. Und da war es! DAS Buch, das ich schon ewig lesen wollte (Ensel und Krete von Walter Moers). Also habe ich mit mir selbst einen Deal geschlossen: das aktuelle Buch beenden und dann im Urlaub endlich meine Walter-Moers-Lesesammlung erweitern. Offen gestanden hat mich "Ensel und Krete" jetzt nicht vom Hocker gehauen. Passagenweise war es eher vorhersehbar. Trotzdem ist meine Leselust geblieben und ich bin auch beim blog wieder am Start!

Habt ihr noch mehr Tipps gegen eine akute Leseflaute?

Donnerstag, 18. Mai 2017

Rezension: Blankes Entsetzen

Blankes Entsetzen 
von Hilary Norman
ISBN: 978-3-8387-1743-2
Thriller

Worum es geht; 
Der Rechtsanwalt Robin Allbeury hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen zu helfen, die von ihren gewalttätigen Ehemännern geplagt werden. Doch für manche Frauen kommt jede Hilfe zu spät. So ist es im Falle von Lynne Bolsover, deren Leiche in einem Schrebergarten gefunden wird, Opfer eines brutalen Gatten - so scheint es jedenfalls ...
Und dann gibt es Frauen wie Lizzie Piper, Mutter von drei Kindern und verheiratet mit einem erfolgreichen Chirurgen, der dem Idealbild des fürsorglichen Ehemanns entspricht. Doch niemand weiß, was in manchen Ehen wirklich vorgeht. Oder was hinter verschlossener Tür geschieht ...

Mein Eindruck:
Ehrlich gesagt lag "Blankes Entsetzen" ewig lang auf meinem SuB - bestimmt mehrere Jahre lang. Das Cover hatte mich überhaupt nicht angesprochen, ist es doch irgendwann als Geschenk mal zu mir gewandert. Dennoch wurde es Zeit auch dieses Buch mal zu lesen - und dann? Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen! Die Spannung, die Hilary Norman aufbaut, hat mich sofort gepackt und ich musste unbedingt wissen, wie es im Buch weiter geht. 
Mit "Blankes Entsetzen" kann der Leser einen Blick hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Familien werfen und wird manches Mal voller Unglauben den Kopf schütteln - dennoch ist dieses Buch sehr realistisch  und nachvollziehbar gehalten. Jede der Frauen hat ihre Gründe bei den Ehemännern zu bleiben und die pure Hölle tagtäglich zu erleben. 
Einzig die Auflösung des Täters hat mich ein wenig irritiert. Zwar hatte ich mir zwischenzeitlich gedacht, dass es auf diesen Täter hinauslaufen wird, aber die Begründung fiel dann doch etwas schwach aus. Insgesamt hat mir das Buch jedoch sehr gut gefallen und für ordentlich Spannung gesorgt!

Mein Fazit:
Insgesamt ein gut gelungenes und spannendes Buch, das jeder Thriller-Fan gelesen haben sollte. Allerdings lässt die Auflösung des Falls ein wenig zu wünschen übrig und ist nicht 100% überzeugend.