Freitag, 29. April 2016

Rezension: Girl on the train

Girl on the Train
von Paula Hawkins
Roman
ISBN: 978-3-7645-0522-6

Worum es geht:
Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse ...

Mein Eindruck:
Die Geschichte aus "Girl in the train" wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt - von drei Frauen, die alle ein Opfer oder ein Täter sein könnten. Alle drei verstricken sich in Widersprüchen und die Glaubwürdigkeit der Erzählerinnen wird in Frage gestellt. Dieses Stilmittel mag auf den ersten Seiten etwas verwirrend sein, ist aber in dem Roman von Paula Hawkins durch und durch gelungen. Als Leserin durfte ich sehr tief in die Psyche und in die Emotionen von drei sehr unterschiedlichen Frauen schauen - das war sehr faszinierend. Jede dieser Figuren hat ihre ganz eigene Sicht auf die Geschehnisse, da jede von ihnen eine sehr authentische Figur mit dunklen Geheimnissen und einer eigenen Geschichte ist.
Da mir immer wieder begegnet, dass dieses Buch ein Thriller sei, muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es hier kein typischer Thriller oder gar Krimi ist - viel mehr geht es hier um die tiefen Einblicke in die Psyche, um Schwächen und Verletzungen, um Lug und Trug und dem Blick hinter die Fassade. In diesem Buch geht es um den Blick hinter "die heile Welt". Und: dieses Buch ist großartig - ich habe es in einem Schwung verschlungen. Zwar war mir persönlich das Ende, bzw. die "Auflösung" ziemlich bald klar, aber der Blick in die Figuren hat mich fast schon gezwungen dieses Buch nicht mehr aus der Hand zu legen.
Absolute Leseempfehlung! (Wobei ich mir vorstellen könnte, dass es bei diesem Buch ähnlich wie bei denen von Gillian Flynn ist: es gibt Leser wie mich, die der Stil des unseriösen Erzählers fasziniert und es wird diejenigen geben, die absolut davon genervt sind)

Übrigens: im Oktober kommt die Verfilmung in die Kinos und ich bin sehr gespannt darauf. Mich wird es noch in der ersten Woche vor die große Leinwand ziehen.


Mittwoch, 20. April 2016

Rezension: Die Seiten der Welt

Die Seiten der Welt
von Kai Meyer
Fantasyroman
ISBN: 978-3-8414-2165-4

Worum es geht:
Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Familie birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie und die Macht der Worte entfesseln.
Doch dann wird ihr Bruder entführt, und Furia muss um sein Leben kämpfen. Ihr Weg führt sie nach Libropolis, die Stadt der verschwundenen Buchläden, und an die Grenzen der Nachtrefugien. Sie trifft auf Cat, die Diebin im Exil, und Finnian, den Rebellen. Gemeinsam ziehen sie in den Krieg – gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher.

Mein Eindruck:
Im Gegensatz zum Buch Asche und Phönix hat mich der Autor Kai Meyer nicht ganz in seinen Bann genommen. Beim Auftakt der Trilogie für die Seiten-Welt brauchte er einige Seiten, um Spannung um die eigentliche Geschichte auf zu bauen. Die ersten Kapitel verbrachte ich als Leserin mit Furia in ihrem Zuhause - wohl nur, um zu bemerken wie besonders buchig die Welt um sie herum ist. Hier wurden viele besondere Details geschaffen und besonders gefielen mir die Origami-Vögel als fantastisches Wesen. Dennoch war ich zu Beginn des Buches nicht allzu sehr gefesselt - der Zusammenhang zur gesamten Handlung hat mir gefehlt. Sogar die Figur Furia erschien mir anfangs zu platt und alle anderen Figuren um sie herum wesentlich lebhafter, obwohl doch sie die Hauptfigur darstellt - ganz eindeutig ein Minuspunkt für mich. Sie musste sich als Figur noch entwickeln und wirkt erst zur Mitte des Buches hin nicht mehr so emotionslos auf mich. Die liebste Nebenfigur war für mich Sunderland. Ich mochte seine Ecken und Kanten.
Die Geschichte um die Entführung des Bruders entwickelt sich relativ spät, hat mich aber doch noch in den Lesebann gezogen und ich habe den mittleren Teil des Buches verschlungen. Gegen Ende hin hatte ich jedoch das Gefühl, der Autor müsste durch das Buch hetzen, hätte nur noch sehr wenig Zeit auf die sonst so liebevoll erzählten Details einzugehen. Und so verliert für mich dieses Buch am Ende wieder etwas von seinem Reiz.
Insgesamt betrachtet schafft Kai Meyer eine absolut tolle Welt für jeden Buchliebhaber - alleine deswegen schon lesenswert. Ich selbst bin jedoch froh mir dieses Buch aus der Bücherei entliehen zu haben und werde so auch mit den beiden Nachfolgebänden verfahren - so bin ich nicht zu sehr über den (leicht enttäuschenden) Inhalt traurig.
Bedingte Leseempfehlung - in meinen Augen nicht so herausragend wie andere Bücher des Autors.

Freitag, 15. April 2016

Rezension: Kielgang

Kielgang
Krimi
ISBN: 3426516136
von Angelika Svensson

Worum es geht:
Auf einem Gestüt an der Ostsee werden zwei junge Männer aufgefunden – der eine tot, der andere schwer verletzt.
Ein Fall für Kriminalhauptkommissarin Lisa Sanders von der Mordkommission Kiel, der dadurch erschwert wird, dass Oberstaatsanwalt Fehrbach der Sohn des verstorbenen Gestütsbesitzers ist. Seit ihrem letzten Fall hat Lisa eine äußerst zwiespältige Beziehung zu Fehrbach. Kein Wunder, dass sie sich mit gemischten Gefühlen an die Aufklärung des Verbrechens macht – die sie bald in die düstere Welt der Rockerbanden und ihrer Drahtzieher führt

Mein Eindruck:
"Kielgang" ist der zweite Band der Reihe rund um Kommissarin Sanders. (Den Auftakt "Kiellinie" habe ich bereits hier rezensiert.)
Die Fortsetzung rund um die Geschehnisse von Ermittlerin Sanders hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Die Figuren, besonders die Figuren Sanders und Fehrbach sind mir noch weiter ans Herz gewachsen und mittlerweile ist mir sogar die Ermittlerin durch und durch sympathisch und ihr Gefühlschaos sehr nachvollziehbar für mich. Die Figur verliert dabei nicht an Authentizität, da ihre Ecken und Kanten erhalten bleiben. Fehrbach ist jedoch meine absolute Lieblingsfigur dieser Reihe, ich mag seine teilweise schroffe Art und habe ein ziemlich genaues Bild vor Augen, wenn ich ihn mir vorstelle, (obwohl ich mir in diesem Band an einer ganz bestimmten Stelle dachte: WAS? Das kann doch wirklich nicht sein Ernst sein...?). Auch die anderen Ermittler wurden mir als Leserin immer vertrauter und ein paar persönliche Details machten die Figuren des Ermittlerteams perfekt.
Der eigentliche Fall, in den eine Rockerbande verstrickt ist, konnte mich jedoch nicht hundertprozentig überzeugen. Zu sehr wird eine bestimmte Figur hervorgehoben, um dann im letzten Moment als Täter auf zu tauchen. Hier wurde meiner Ansicht nach viel Potenzial in der finalen Auflösung des Falls verschenkt, bzw. zu lange an der falschen Spur festgehalten. Der eigentliche Täter erhält dadurch nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient. Denn auch diese Figur ist insgesamt gut gezeichnet.
Während ich in meiner vorangegangenen Rezension noch den Stil der Autorin Angelika Svensson bemängelt habe, erschien mir der Stil und die Sprache im zweiten Band deutlich flüssiger. "Notlösungen", wie zum Beispiel klingelnde Telefone, um schwierige Situationen der Figuren zu umgehen, sind mir seltener aufgefallen.
Insgesamt ist auch der zweite Band meiner Meinung nach als "Häppchen" für zwischendurch. Perfekt für den Alltag, da der Wiedereinstieg in das Buch jederzeit sehr leicht fällt. Ich freue mich jetzt bereits auf den dritten Band.

Leseempfehlung!


Mittwoch, 6. April 2016

Rezension: Kiellinie

Kiellinie
Krimi
ISBN: 978-3-426-51401-6
von Angelika Svensson

Worum es geht:
Kurz vor Beginn der Kieler Woche finden zwei Segler
die Leiche einer jungen Frau an der Kieler Förde. Es
handelt sich um die Tochter des ehemaligen Liebhabers
von Kriminalhauptkommissarin Lisa Sanders. Erschwert
werden Lisas Ermittlungen in diesem Mordfall durch die Zusammenarbeit mit dem arroganten Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Freiherr von Fehrbach, den selbst ein dunkles Geheimnis zu umgeben scheint ...


Mein Eindruck:
Der erste Band einer Reihe rund um die Ermittlerin Lisa Sanders konnte mich (fast) komplett überzeugen. Die verschiedenen Figuren (und das sind einige), sind trotz der "Erstvorstellung" in diesem Band durchaus authentisch und handeln jeder für sich schlüssig. Die Kommissarin Lisa Sanders war mir dabei nicht immer sympathisch - aber genau dies macht ihren Charakter so interessant und vielseitig. Die absolute Lieblingsfigur in diesem Buch war für mich der Staatsanwalt Fehrbach und als Leserin durfte ich schnell entdecken, dass unter seiner glatten und teilweise schroffen Fassade einfach ein "toller Kerl" steckt. Insgesamt begeisterten mich die Figuren so sehr, dass ich das Buch fast wie eine "Daily-Soap" verschlungen habe.
Der Fall hat mich von Anfang an gefesselt, da diverse Spuren gestreut und verfolgt wurden. Jedoch war die Auflösung, bzw. der Verlauf der Ermittlungen nicht spektakulär oder (übertrieben) aufgebauscht - ein weiterer Pluspunkt für das Buch.
Bei aller Begeisterung gibt es jedoch einen Haken. Die Figuren des Buches führen oft schwierige Gespräche miteinander oder erleben heikle Situationen im Team. Hier erweckt die Autorin  Angelika Svensson den Anschein, als habe sie Furcht davor die Situation zu lösen, in dem die Beteiligten eine Situation ausdiskutieren. Ständig klingelt ein Handy genau im falschen Moment oder es kommt ständig jemand im ungünstigsten Moment in den Raum.!Mir ist bei dieser Art von Kritik bewusst, dass dies zum Teil ein Stilmittel ist, um die Vermutungen und Neugier der Leser zu steigern. Jedoch hat mich dieser Stil der Autorin zum Teil schon gestört und die Häufigkeit dieser "Lösungen schwieriger Stellen" erschien mir all zu oft.
Insgesamt kann ich dieses Buch jedoch absolut als "einfachen Happen zwischendurch" empfehlen.
(In der nächsten Woche gibt es die Rezension von Band 2 "Kielgang" - ihr dürft gespannt sein)

Leseempfehlung!