Montag, 20. Juni 2016

Montagsfrage: Magst und liest du Gedichte/Gedichtbände?

Heute behandelt das buchfresserchen eine ganz besondere Frage:

Magst und liest du Gedichte/Gedichtbände?

Im klassischen Sinn muss ich die Frage eindeutig verneinen. Ich lese keine Gedichtbände, obwohl ich mir immer mal wieder vornehme ein Gedicht mal auswendig zu lernen - einfach so, ohne tieferen Grund. Aber welches? Es gibt so herrlich viele schöne Gedichte. Trotzdem habe ich keinen einzigen Gedichtband in meiner Wohnung stehen.
Selbstgereimte "Quatschgedichte" begleiten mich aber (fast) jeden Tag - sei es als Kinderreim mit meinem Sohn, bei der Arbeit oder einfach, weil mir der Schalk im Nacken sitzt und ich gerade Lust auf Blödsinn habe. Diese Gedichte sind aber nie besonders poetisch und ergeben oft auch nur den einen Sinn: Spaß an der Sprache.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Hörbuch-Rezension: Sophia, der Tod und ich

Sophia, der Tod und ich
von Thees Uhlmann
gelesen vom Autor

Worum es geht:
Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der ihm ähnlich sieht und behauptet, er sei der Tod und wolle ihn mitnehmen. Er habe noch ungefähr drei Minuten zu leben. Zwischen den beiden entspinnt sich eine absurd-witzige Diskussion, in der es um Kopf und Kragen, um die Insel Juist, den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Zu seiner Verwunderung gelingt es dem Tod nicht, den Erzähler sterben zu lassen. Ein spektakulärer Roadtrip beginnt. Gemeinsam mit seiner Exfreundin Sophia und dem Tod macht sich der Erzähler auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem sieben Jahre alten Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber Tag für Tag eine Postkarte schreibt.
Es geht auf eine Reise zwischen Himmel und Hölle – und um die Frage, ob es das alles überhaupt gibt. Eine Reise, die geprägt ist durch die Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen wie: Muss der Tod pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? – Und die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«.

Mein Eindruck:
Zunächst möchte ich die negativen Eindrücke berichten - Thees Uhlmann hat mich als Sprecher seines eigenen Romans nicht direkt in seinen Bann gezogen. Mir fiel es in den ersten Kapiteln sehr schwer mich auf seine Rhythmik und seine Betonung ein zu lassen. Um ganz ehrlich zu sein: ich war kurz davor dieses Hörbuch ab zu brechen. Zum Glück habe ich dies nicht getan!
"Sophia, der Tod und ich" überschlägt sich in den Ereignissen, bleibt dadurch immer spannend und lebendig. Die Frauenfigur Sophia, die mir auf Anhieb gefallen hat, ist meine absolute Lieblingsfigur des Romans. Auch ihren Vater lernt der Leser ein wenig kennen. Hier musste ich an mancher Stelle wirklich lachen - der Erzähler und Sophias Vater geben sich einen Schlagabtausch, der sehr witzig ist. Obwohl hier ziemlich an der Grenze gekratzt wird, was politisch angemessenen Humor angeht, hatte ich nie das Gefühl, dass diese Grenze überschritten wird. Das Besondere an all dem Humor: meiner Meinung nach verliert der Autor nie den Ernst, nie die Tiefe des Themas Tod - und allem was dazu gehört. Trauer, Freundschaft und auch Liebe und Vergebung finden ebenso ihren Platz.
Generell wollte ich viele Sätze mitschreiben (während der Autofahrt aber nicht empfohlen). Der Autor trifft Situationen und Gefühle so auf den Punkt, beschreibt auf eine humorvolle Art und Weise, ohne dabei dem Leser seine eigene Meinung aufdrücken zu wollen. Die Figuren im Roman gehen auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema um und bleiben dabei immer authentisch, nah an der Realität.
Dieses Buch wird definitiv noch in der Printversion in meinem Regal landen und dann werde ich etwas tun, das ich sonst (eigentlich) nicht mache: ich werde es noch einmal selbst lesen, um mir mehr Zeit, mehr Atempausen für die Sätze, den Klang der Wörter in meinem Kopf nehmen zu können. Mehr Zeit für den Genuss dieses Buches.

Hörempfehlung!

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